Die Geschichte der Schöpfe im Seminarhaus Schoepfe

 
  vom Bauernhaus zum Seminarhaus
       
  Es waren einmal ein Bauernhaus, ein Stall, mehrere Schöpfe, zwei Remisen, eine Scheune, ein Hühnerstall, ... bis ins Jahr 1994.

Das Haus – fast so alt wie die schweizerische Bundesverfassung von 1848 – ist von dem aus Dachsen im benachbarten Kanton Zürich eingewanderten Friedrich Bernhard erbaut worden.
       
Vier Generationen fanden Raum und Schutz, um 1900 gab es hier für kurze Zeit eine Gaststätte mit Namen «Zum Haumesser». 1943 wurde zum ersten Mal vergrössert, das Haus für zwei Familien mit insgesamt acht Personen war zu klein geworden. Im Laufe der Zeit gab es mehrfach Umbauten und Erweiterungen, 1980 beispielsweise ist die ehemalige Schmiede (heute Raum «Wärme», Zimmer 16 & 17) saniert worden.
       
  Essraum und Hotelküche der Schöpfe waren Stallungen für Kühe, Pferde und Schweine. Der Raum "Wärme" (beim Essraum) war mal sehr heiss, es war eine Schmiede. An der Stelle des Hauses Bütte stand ein Schuppen; dort gackerten, in der jetzigen Sauna, die Hühner. Im Obstgarten dahinter grasten Schafe und der «Raum Schwung» war offen und eine Remise für die grossen Landmaschinen.

Die heutigen Gästezimmer des Hauses Schöpfe (Zimmer 1 – 6) beherbergten vormals Stube, Wohnküche, Kachelofen und mehrere Schlafzimmer. Auch im Obergeschoss (Zimmer 11 – 15) befand sich eine Wohnung mit Küche und Kachelofen, unter dem unisolierten Dach eine Gesindekammer für Knechte (Zimmer 20) und die Räucherei.

Das Rednerpult im Foyer des Obergeschosses der Schöpfe diente einmal einer frommen Glaubensgemeinschaft, die sich im 19. Jh. im Haus versammelte.
       
  Eine Besonderheit der drei Dörfer Büttenhardt, Lohn und Stetten auf der Reiat – Hochebene besteht darin, dass sie nicht in wasserführenden Tälern liegen. Zur Versorgung der Haushalte mit Frischwasser wurden deshalb früh schon artesische Brunnen gegraben und ist - für damalige Zeiten sehr fortschrittlich - vom heutigen Sodbrunnen mit der Lindenlaube eine Wasserleitung direkt in den Keller gezogen worden. Der Brunnen wurde seit 1907 nicht mehr benutzt und 1995 neu aufgemauert. Hans Bernhard als letzter Vertreter der ehemaligen Bauernfamilie in der Schöpfe war während 32 Jahren, bis zum Jahr 2000, Präsident der Betriebskommission der Reiat Wasserversorgung.
       
  Der prächtige Nussbaum an der Dorfstrasse wurde 1947 zur Geburt von Hans Bernhard gepflanzt; Hans wuchs mit einer älteren Schwester im heutigen «Seminarhaus Schöpfe» auf und bezog am 21. Juni 1994 mit seiner sechsköpfigen Familie mit 20 Mutterschweinen, mit Hühnern, Hund und Katzen einen grosszügigen neuen Bauernhof, nur einige 100 Meter oberhalb der Schöpfe.

Die renovationsbedürftige Liegenschaft mit Wohnteil, Scheune, Ställen, Remise, Heuboden, Garten und Obsthain war 1993 an die heutige Besitzerin verkauft worden; mit den Erträgen aus der Landwirtschaft waren insbesondere die Auflagen für die Erfüllung der Tierschutzbestimmungen nicht mehr zu bewerkstelligen.
       
Die Entwicklung des Revitalisierungskonzeptes für das Bauernhausensemble, die heutige Schöpfe in Büttenhardt, konnte 1992, nach einer gründlichen Untersuchung und Bewertung der vorhandenen Bausubstanz und nach einer konsultativen Informationsveranstaltung für die Dorfbevölkerung, in Angriff genommen werden. Der Weg für die Umsetzung der Projektidee eines Bildungszentrums auf dem ländlichen Reiat war frei, 1996 wurde das Seminarhaus "Schöpfe" in Betrieb genommen.
 
 
 
  Seminarhaus mit Gästezimmern, vielen grosszügigen Kommunikationsräumen und eigener Küche
       
  Anpassungen des Konzeptes, Projektänderungen und mehrere Bewilligungsinstanzen führten schliesslich zum heutigen Seminarbetrieb, wie er im Frühjahr 1996 eröffnet werden konnte.
Ein knappes Kostenbudget diente den Planern als Treibstoff für die Planungs- und Ausführungsphilosophie: «Bauen so gut wie nötig und mit sinnvoller Perfektion». Die Unterordnung unter dieses anspruchsvolle Ansinnen befolgten Bauherrin und Architekten konsequent. Bestehende Strukturen und Konstruktionen wurden soweit als möglich erhalten, neue Teile im Rahmen des Gesamtprojektes entwickelt und integriert. Die Zielsetzung, ein von Grund auf ökologisch und ökonomisch tragbarer Umbau mit sinnvollen Haustechnik-Anlagen, war – neben dem Verzicht auf «kostbare Materialien», z.B. aufwendige Oberflächenbehandlung - die Ausgangslage für die Realisation der neuen Funktion. Mit dieser selbstgewählten Einfachheit und der Beschränkung auf wenige Bauelemente konnten die Raumprogramme des Seminarhausensembles Schöpfe in einer einfachen architektonischen Sprache in die bestehende Substanz des Bauernhauses und der Remise integriert werden.
       
  Entstanden ist mit den beiden Häusern «Schöpfe» und «Bütte» ein Gebäudekomplex, gruppiert um einen Innenhof («Blauer Hof»), der sich in seiner Massstäblichkeit nahtlos in das ländliche Dorfbild von Büttenhardt einreiht. Strassenseitig deuten nur wenige Eingriffe auf die veränderte Nutzung hin. Notwendige räumliche Vergrösserungen entstanden dort, wo alte Einrichtungen wie Schweinestall, Futtersilos, Hühnerhaus etc. abgebrochen worden waren.
Neue Raumfolgen, Anbauten wie Foyers und Treppenhaus im Haus «Schöpfe», sowie das «Haus Bütte» wurden in Holz konstruiert. Grosszügige Verglasungen und horizontale Holzlamellen bilden das gemeinsame architektonische Gestaltungselement und damit die visuelle Klammer, mit der die Zugehörigkeit aller Bauten zum Gebäudekomplex des Seminarhauses Schöpfe definiert sind.
Die Ergänzungen und Erweiterungen brachten den ehemals düsteren Räumen eine Lichtfülle und Helligkeit, die man von aussen niemals vermuten würde.
In der früheren Scheune, dem Ökonomieteil des Hauses "Schöpfe" wurden mit verschiedenen Öffnungen für das Tageslicht in den neuen Räumen (Essraum, Küche, Räume «Wärme», «Kraft», «Licht», «Puls», «Klang»), viele, ganz unterschiedliche Raumqualitäten geschaffen.
       
Die Philosophie «Bauen so gut wie nötig» zeigt der Essraum exemplarisch mit seinem Nebeneinander von alten Natursteinwänden und gezielten «Eingriffen» aus Beton an einem von vielen Details